TTC Wiesloch/Baiertal 1952 e.V.

Die ersten 25 Jahre - TTC Weinstadt Wiesloch

Anmerkung: der folgende Artikel stammt aus dem Jubiläumsjahr 1977!

In einem Lande, das reich ist an traditionsreichen Vereinen, mögen 25 Jahre als eine kleine Zeitspanne erscheinen. Dennoch - 25 Jahre! Welche Summe an Schweiß, Freude, Erfolg, Rückschlägen und sich erneuender Hoffnung. Mit Stolz dürfen heute die Bürger dieser Stadt, die Tisch-Tennis-Gemeinschaft des Kreises Heidelberg, auf diesen TTC Weinstadt Wiesloch sehen; denn es gibt im badischen, ja im süddeutschen Raum, nicht viele Clubs, die in ihrer Chronik gleiche sportliche Erfolge zu verzeichnen haben. Stolz dürfen aber vor allem die Mitglieder dieses Vereins auf das Erreichte sein. Als reiner Tisch-Tennis-Verein, ohne die Beiträge eines traditionellen Großvereins, ohne Mäzenatentum, ist es nur ihrem Einsatz zu verdanken, dass ein so kleiner Verein in so hohen Spielklassen an den Start gehen kann. Dank an dieser Stelle auch an die Ehepartner, Freundinnen und Freunde unserer Aktiven, die durch ihr Verständnis und Zutun Anteil am Erreichten haben.

April 1952.

Ein Sonntagmorgen mit blauem Himmel. Aus dem Innenhof des Hauses Hesselgasse 26 klingt es Ping-Pong, Ping-Pong. Man spielt Ping-Pong - nicht Tischtennis. Aber mit welchem Eifer! Der Tisch-Tennis-Bazillus hat sie infiziert. Wie ein Fieber hat es sie gepackt. Jede freie Minute wird genutzt.

Wer ist das? Wer spielt dort? Da ist einmal Walter Maier, dem dieses Haus gehört, und ein Flüchtling, der in seinem Hause Aufnahme fand. Sein Name: Franz Keller. Beide waren mächtig vom erwähnten Bazillus befallen und schrieben einen bedeutsamen Teil Wieslocher Tisch-Tennis-Geschichte.

Doch bald kommen noch mehr in den kleinen Innenhof. Auch Damen. Jede(r) wartet in geduldiger Ungeduld, bis auch sie/er spielen darf. Manchmal versucht jemand sogar einen Schmetterball. Dann wird es kritisch. Denn wenn der Ball in den Hühnerpferch hopft, bemächtigt sich Gockele, ein Trumm von einem Rodeländerhahn seiner. Jeden Eindringling fällt er an. Aber der Ball muss wieder her. Ein Ball kostet 30 Pfennig. Für eine Sechser-Packung muss selbst ein Facharbeiter weit über eine Stunde arbeiten. Schade, jetzt fängt es doch an zu regnen. Wenn man nur in einem Saal spielen könnte - oder gar in der einzigen Turnhalle. Ein Traum würde wahr.

Die Geschichte des TTC Weinstadt Wiesloch begann am 1. Mai 1952. Eine kleine Schar Männer und Frauen entschlossen sich, aus der Anonymität eines Freundeskreises herauszutreten und den von ihnen geliebten Sport wettkampfmäßig zu betreiben. Überdies war es ihnen ein Bedürfnis, ihre freundschaftlichen Bande bei Training und Wettkampf zu festigen. Sie gründeten den TTC Grün-Weiß Wiesloch. Der Vereinsname wurde von den Farben des Tischtennis-Tisches abgeleitet.

Die Gründungsmitglieder waren:

  • Walter Maier
  • Anneliese Maier
  • Franz Keller
  • Heinz Zuber
  • Gustav Lindner
  • Erwin Krauser
  • Hans Ritsches
  • Alfred Weiser
  • Egon Weiser
Die Schar der TTC-ler wurde bald durch einige Spieler aufgefüllt, die der Tischtennis-Abteilung des VfB Wiesloch angehört hatten, der diese Sparte auflöste. Die ersten Freundschaftsspiele zeigten überdeutlich, wie sehr sich das bisher praktizierte Ping-Pong von dem nunmehr auszutragenden Wettkampfsport Tischtennis unterschied. Das erste Spiel überhaupt war das Freundschaftsspiel gegen die Mannschaft der Berufsfeuerwehr Mannheim. Es ging 16:0 verloren. Wenn man schon einen Gegner hatte, wollte man nicht bei 9:0 abbrechen.
Erst im Herbst begann die Wettkampfrunde, und so folgte noch manches Freundschaftsspiel. Was als Notbehelf begann, wurde in den folgenden Jahren gute Sitte. Viele langjährige Verbindungen und Freundschaften resultieren aus solchen Spielen. So hatten oder haben wir freundschaftliche Beziehungen zu Mannschaften aus Pforzheim, Berlin, Zürich, Basel, Warendorf, Stuttgart und vielen näher gelegenen Orten. Einen ganz besonderen Platz haben sich zweifellos unsere Freunde in Fontenay aux Roses erworben.
Trotz der anfangs recht deutlichen Niederlagen, wurde mit größtem Eifer trainiert. Bereits im ersten Spieljahr konnte die 1. Herrenmannschaft den Meistertitel der Kreisklasse B erringen und in die A-Klasse aufsteigen. Weniger erfolgreich, aber ebenso eifrig, kämpfte eine 2. Herrenmannschaft und zwei Damenmannschaften. Schon recht bald lockte das Spiel mit dem kleinen Ball eine Anzahl Jugendlicher an, so dass im zweiten Jahr zusätzlich eine Jugendmannschaft starten konnte.
Diese ersten Jahre waren durch dauernde Sorge um ein geeignetes Spiellokal gekennzeichnet. Es wurde nacheinander im Cafe Neumeister, im Gasthaus Zur Rose in Alt-Wiesloch, sowie in den Nebenräumen des Hotel Adler trainiert und gespielt. Jede Minute der spärlich zur Verfügung stehenden Trainingszeit wurde genutzt. Nach der Sorge, überhaupt ein Spiellokal zu haben, musste natürlich auch für die Bezahlung gesorgt werden. Der Beitrag betrug damals für jeden 50 Pfennig die Woche, gleichgültig ob er Erwachsener oder Schüler war. Außerdem mussten die Mitglieder in der kalten Jahreszeit Kohlen und Feuerholz mitbringen. Damals gab es bereits keinen Mangel mehr an diesen Dingen, und diese Maßnahme diente ausschließlich der Kostenersparnis. Wenn auch nicht genau gesagt werden kann, wie hoch damals nach heutigem Geldwert die Belastung der Mitglieder war, so steht doch ohne Zweifel fest, daß sie erheblich höher war als heute. Man war bereit, etwas für seinen Sport zu tun und das hörte nicht mit der Bezahlung des Beitrages auf:

"Ma treffe uns an de Haltestell, aber pünktlich Erwin! - Die junge Kerl sin a nimmer des - ." Nun, man traf sich pünktlich zum Auswärtsspiel in Neckargemünd. Jeder entrichtete sein Fahrgeld. Ein Wagen von der Linie 8, weiß-blau, fuhr ratternd - nicht durch die Stadt, das wäre eine kurze Fahrt gewesen - sondern ab in Richtung Heidelberg.

Nussloch: "Dehom verliere ma awer gege die net. Do krieje se de Frack verschlage!" Leimen wird ohne Kommentar passiert. Dort gibt es noch keinen Tischtennis-Verein. Vielleicht ganz gut so, denn recht bald wird von dort jeden Morgen ein kleines aufgewecktes Bürschchen zum Wieslocher Gymnasium radeln und sich dem dortigen TTC anschließen. Bis heute ist er ob seiner menschlichen und sportlichen Qualitäten eine Stütze des Vereins: Volker Flory.

Rohrbach: "Des sin a ame Sei. Dass awer die Amis a grad alle Säl beschlagnahme müsse!" Ja so ist das. Die Rohrbacher spielen in einer Hofeinfahrt, aber sie spielen!!

In der Bahnhofstraße hatte "die Acht" damals Endstation. Mit großem Hallo wird ein Sportkamerad aus Handschuhsheim begrüßt, der zufällig des Weges kam. Die Handschuhsheimer spielen in einem Kellergewölbe. "De Keller war net ugattisch, wenn de Bodde ebe war un net so stawe det," wird ein Neuling der Mannschaft aufgeklärt. Im kalten Wind muss man zur Anschlussbahn laufen. "Verdammt kalt heit. Ich glab ma krieje Schnee. Hoffentlich hewwe die gheizt." Schließlich geht es weiter.

Auf der anderen Seite des Neckars erscheint Ziegelhausen. "Bei denne musch uffpasse, dass net wedder en Poschde rennsch", wird erwähntes Greenhorn eingeweiht. Knappe zwei Stunden, nachdem die Wieslocher ihren häuslichen Herd verlassen hatten, waren sie endlich in Neckargemünd angekommen.

Warum diese umständliche Fahrerei? Ganz einfach. Im ganzen Verein gab es nur ein Mitglied mit eigenem Auto - Ossi Knoll -, der einen gewerblichen Autoverleih hatte, und den konnte man auch nicht dauernd angehen. Gab es doch genügend Orte, die abends nur mit dem Auto pünktlich zu erreichen waren. Es galt aber als durchaus zumutbar, am Samstag oder Sonntag zu einem Turnier, z.B. nach Hoffenheim oder Schwetzingen, mit dem Fahrrad zu fahren. Doch zurück zu unseren Mannen nach Neckargemünd.

Der Raum war geheizt, die äußeren Spielbedingungen auch gut. Wunderbar - nur musste auf einer einzigen Platte gespielt werden. Zu einer zweiten hatte es den Neckargemündern noch nicht gereicht. Das war eben so und keiner murrte. Dieser Umstand hatte jedoch die fatale Folge, dass das Spiel dauerte und dauerte. Wer schließlich gewann, ist nicht mehr festzustellen, aber an etwas anderes erinnern sich die Beteiligten nach nunmehr fast 25 Jahren recht plastisch. In Neckargemünd bekam man noch die letzte Bahn nach Heidelberg, aber dann war der Ofen aus. Der Gedanke, ein Taxi zu nehmen war so absurd, dass er erst gar nicht in Erwägung gezogen wurde. Man machte sich zu Fuß auf den Weg. Die Stimmung war zunächst auch gar nicht schlecht (man hatte wohl doch gewonnen). Kurz nach Leimen setzte jedoch ein Schneesturm ein, gegen den - wenn man die Beteiligten hört - ein Blizzard eine reine Kinderei gewesen sein muss! In wenigen Minuten lag eine hohe Schneedecke, in der sich unsere Schneemänner nur mühsam vorwärts kämpfen konnten. Gebeugt, gegen Müdigkeit und Erschöpfung ankämpfend, bleiern einen Fuß vor den anderen setzend, erreichte man schließlich doch die heimatlichen Gefilde. Ein Gutes hatte aber alles. Nichts verbindet mehr als ein Gespräch, das mit den Worten beginnen kann: ?Weißt Du noch - damals ...??

Nunmehr erlaubte man sich doch des öfteren, mit einem bei erwähntem Mitglied geliehenen Auto zu den Spielen zu fahren. Oft war es ein DKW-Zweisitzer, der 2 weitere Notsitze hatte. Es ist noch sehr die Frage, was die größere sportliche Leistung war, das Match an der Platte oder die Fahrt zu sechst im Zweisitzer. Später wurde dann für Auswärtsfahrten ein VW-Bus angemietet. Zumindest bei den Herren war es üblich, anteilige Fahrtkosten vor Beginn der Fahrt zu entrichten.

Im Frühjahr 1955 hatte der 1. Vorsitzende des TTC, Walter Maier, bei Bürgermeister Hilswicht einen Termin, bei dem es darum ging, dass der TTC in der Turnhalle der Gerbersruhschule, der (einzigen) städtischen Turnhalle, spielen wollte. Der ebenfalls anwesende Helmut Will, Vorsitzender der TSG, wehrte sich mit Händen und Füssen dagegen, Hallenzeiten an den TTC, der ja kein Turnverein sei, abzugeben. Schließlich stehe außen an der Halle Städtische Turnhalle und nicht Tischtennishalle. Darauf konterte Walter Maier mit der Bemerkung, dass in der Halle also Turn-Fechter und Turn-Handballer der TSG trainieren. Bürgermeister Hilswicht lachte und sagte: Herr Maier, sie haben die Halle.

Welche Freude! Wir durften im Sommer 1955 am Sonntag in die Turnhalle, ein Jahr später auch am Samstagnachmittag. Bereits 1955 richtete der Verein erstmals sein gut organisiertes Tischtennis-Turnier aus, das von nun an regelmäßig jedes Jahr stattfand. Dank des tatkräftigen Einsatzes vieler Mitglieder und der guten Durchführung hatte es bald einen guten Zuspruch und machte den jungen Club über die Grenzen des Kreises Heidelberg bekannt. Das Turnier trug nicht unwesentlich zur Aufbesserung der Vereinsfinanzen bei. Man verpflichtete jetzt Clemens Knapp, den erfahrenen Spitzenspieler eines Heidelberger Clubs, als Trainer. Unter dessen Anleitung gelang der Aufstieg in die Bezirksklasse Heidelberg-Sinsheim. Diese Klasse, in der sich, die 1. Herrenmannschaft stets gut platzieren konnte, sollte trotz aller Bemühungen für einige Zeit Endstation sein.

In dieser Zeit einer gewissen sportlichen Stagnation zeigte sich, dass es nicht nur gemeinsamer Kampf und sportlicher Erfolg waren, der die Mitglieder zusammenhielt. Man verstand es, sich auch ohne Racket gemeinsam zu vergnügen. Oft traf man sich im Cafe Maier, wo besonders die Jüngeren von unserer unvergessenen Anneliese Maier bemuttert wurden.

Jedoch machte damals bereits der Wieslocher Nachwuchs auf sich aufmerksam. Den ersten überregionalen Erfolg erzielte Dietrich Ewert, als er 1956 bei den Badischen Jugendmeisterschaften Vizemeister wurde. Schon als Jugendlicher war er in die Erste gerückt, wo er 17 Jahre ununterbrochen spielte.

Es sollte nur noch kurze Zeit vergehen, dann würden bis Ende der siebziger Jahre in keinem Jahr die Badischen Ranglisten erscheinen, ohne dass Wieslocher Namen zu finden wären. Kein Verein sollte bis dahin so oft als erfolgreichster Club der Kreismeisterschaften, sowohl bei den Aktiven, als auch bei der Jugend, ausgezeichnet werden. Der Durchbruch gelang zuerst den Wieslocher Mädchen. Sie gewannen Badische Meisterschaften und führten Ranglisten an. Die Jungen folgten diesem Weg etwas später.

Großen sportlichen Erfolg beschied das Jahr 1963. Die Damenmannschaft stieg in die Süddeutsche Oberliga auf, für unseren Bereich die höchste Spielklasse Deutschlands. Zwei Jahre später waren sie in der Aufstellung Seidel, Zimmermann (Hummel), Erbes (Steger), Betzwieser (Frank) Süddeutscher Vizemeister; die höchste Platzierung, die eine Wieslocher Tischtennis-Mannschaft je erreichen konnte. Die Herren hatten nach vielen Anläufen 1963 die Bezirksmeisterschaft gewonnen und waren in die Verbandsliga aufgestiegen.

Ein besonderes Problem unseres Clubs war in den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren die Alters- und Mitgliederstruktur. Es bestand ein Mangel an (älteren) Mitgliedern, bei denen die eigenen sportlichen Ambitionen nicht mehr so im Vordergrund standen, die aber bereit waren - auch ohne Schläger in der Hand - für ihren Verein tätig zu sein. So ist war es die Regel, dass die Aktiven - auch Spitzenspieler - Vereinsämter übernehmen mussten. Die Nachteile solcher Belastungen liegen auf der Hand. Andererseits machte dieser Umstand eine recht demokratische Vereinsführung zur Tradition. Unsinnige Forderungen an die Vereinsführung unterblieben im allgemeinen. Glücklicherweise war der TTC niemals ein Ein-Mann-Betrieb, und die Arbeit der Verantwortlichen wurde von den Mitgliedern mitgetragen. Dennoch lag und liegt die Hauptlast, wie bei fast allen Vereinen (muss das so sein?), auf den Schultern weniger Idealisten. Bis zu diesem Zeitpunkt waren dies vor allem der mehrfache 1. Vorsitzende Walter Maier und sein Spielleiter Franz Keller.

Im Jahre 1963 wählte die Generalversammlung mit Adolf Werhan einen Vorsitzenden, der sich, frei vom Dienst an der Platte, ganz der Vereinsführung widmen konnte. Mit Tatkraft und Passion führte er sein Amt. Er verstand es, die Mitglieder für seine Ziele zu motivieren. Inzwischen war die Sport- und Spielhalle beim Stadion fertiggestellt. Dank der Erfahrung und guten Verbindungen ihres neuen Vorsitzenden, sowie des engagierten Einsatzes der Mitglieder, konnte dort der TTC mustergültig organisierte Großveranstaltungen ausrichten. Oft war das Fernsehen zu Gast, und Deutschlands Tischtennis-Spieler blickten nach Wiesloch.

Um die erfolgreiche Vereinsarbeit gleichzeitig mit einer intensiveren Werbung für unsere Stadt verbinden zu können, wurde der Verein als TTC Weinstadt Wiesloch in das Vereinsregister eingetragen.

Die wichtigsten Veranstaltungen seien hier erwähnt:

  • 33. Nationale Deutsche Meisterschaft
  • 18. Deutsche Jugendmeisterschaft
  • Endranglistenturnier des DTTB
  • Ländervergleichskampf Deutschland - Japan (mit den amtierenden Weltmeistern der Herren (Hasegawa) und der Damen (Morisawa)
  • Süddeutsche Meisterschaften
  • Internationale Deutsche Meisterschaften
sowie Turniere mit internationaler Beteiligung, die auch den späteren Bundestrainer, Doppelweltmeister Alser, nach Wiesloch brachten. Zu erwähnen ist hier sein Vorgänger, Bundestrainer Wilmos Harangozo, der einige Zeit in Wiesloch weilte. Seine mit Können gepaarte ruhige - man ist versucht zu sagen: gütige - Art, haben ihn nur Freunde gewinnen lassen.
Bereits nach kurzer Zeit wurde A. Werhan Sportwart des Badischen Tischtennis-Verbandes und 2 Jahre später 1. Vorsitzender dieses Verbandes. Er ließ sich jedoch überreden, weiterhin die Leitung des Vereines zu übernehmen.
Im Jahre 67 kam es zu einer folgenreichen Zäsur unseres Clubs. Auf der. Mitgliederversammlung dieses Jahres wurde G. Knopf, mit knappstem Vorsprung von nur einer Stimme, zum neuen Vorsitzenden gewählt. Man wusste, dass der bisherige, bewährte 1. Vorsitzende, nicht mehr lange im Amt bleiben wollte. Auch erschien manchen die Vereinsführung nicht transparent genug. Über andere Motive kann man nur Vermutungen anstellen. Die Zäsur ergab sich aus zwei Gründen.
Erstens lehnten es fast ausnahmslos die Mitglieder der alten Vorstandschaft ab, sich in neue Ämter wählen zu lassen. Es verhärteten sich zwei Fronten, die leider schon unter der alten Vorstandschaft entstanden waren, worauf der Vorsitzende nur wenig Einfluss nehmen konnte. In einem Parlament mag eine starke Opposition gut sein. In einem Verein, zumal einem kleinen, ist es aber notwendig, am gleichen Strick zu ziehen.

Zweitens wurde der neuen, nicht so erfahrenen Vorstandschaft nicht nur nicht geholfen, sondern sie wurde unter Beschuss genommen. Aktionen und Reaktionen schaukelten sich hoch.

Das ganze eskalierte dann zu einem gerichtlichen Antrag der Opposition auf die zwangsweise Einberufung einer außerordentlichen Generalversammlung, auf der noch nicht einmal der gewählte 1. Vorstand den Vorsitz führen sollte. Diese Generalversammlung konnte verhindert werden. Die Abwehr der als unbillig erachteten Angriffe festigte den Zusammenhalt der sich nunmehr für den Verein verantwortlich fühlenden und auf der dann folgenden, ordentlichen Generalversammlung, war es dann doch eine deutliche Mehrheit, die jedem Einzelnen der gewählten Vorstandschaft ihr Vertrauen aussprach. Aber die Trennung und die Gründung eines zweiten TT-Vereins in Wiesloch war nicht mehr aufzuhalten, was dann im Jahre 68 geschah. Der TTC verlor seine komplette 2. Mannschaft mit talentierten jungen Spielern. Ein Aderlass, der auf Jahre spürbar blieb. Auch verlor man gute Damen- und Jugendspieler und nicht zuletzt auch einen großen Teil derjenigen, die in der Vergangenheit tatkräftig bei der Vereinsarbeit mitwirkten. In dieser hektischen Zeit jagte eine Vorstandssitzung die andere. Man hatte sich nicht nur zu wehren, sondern wollte auch noch an vergangene Tage anknüpfen, indem man z. B. ein bundesoffenes Turnier mit eingeladenen Ausländern ausrichtete. Besonders der damalige Sportwart E. Krauser engagierte sich in höchstem Maße. Die Folge dieser übergroßen Belastung war, dass er noch vor Ablauf seiner Amtszeit zurücktreten musste, und auch der 1. Vorsitzende G. Knopf sah sich nicht in der Lage, nochmals zu kandidieren.

Im April 69 wurde Richard Fischer zum Vorsitzenden gewählt. Glücklicherweise wurde er auf breitester Basis von den Mitgliedern unterstützt, wenn auch von den erfahrenen Leuten nur D. Ewert im engeren Vorstand war.

Langfristig wurden nun 3 Ziele angestrebt. Erstens wollte man das Beste aus dem machen, was ein Sportverein haben kann: veranlagte, leistungswillige Sportler. Zwar hatte die Spielstärke allgemein nachgelassen, aber wir hatten doch noch unsere komplette 1. Garnitur, die 1969 den 5. Platz in der Verbandsliga erreichte und sich damit für die neu gegründete Badenliga qualifiziert hatte. Zahlreicher Nachwuchs war auch vorhanden; denn Walter Maier, hatte sich wieder der Buben und Mädchen des TTC angenommen. Zweitens sollten Unruhe und Hektik ferngehalten und eine kameradschaftliche Atmosphäre erhalten und gesichert werden. Drittens wollte man versuchen, ob nicht doch die nunmehr zwei Vereine zusammengeführt werden konnten.

Letzteres scheiterte. Nach einigen Anläufen von unserer Seite begannen aussichtsreich erscheinende Verhandlungen. Sie wurden aber erschwert durch starke Interessengegensätze bezüglich zu knapp vorhandener Hallenzeiten, worüber man sich parallel zu verständigen hatte. Sodann weckten die Verhandlungen doch Emotionen und stifteten Unruhe und gerade das wollte man auf keinen Fall. Die Wunden waren wohl doch zu frisch. So hieß es denn, ein großes Ziel aufgeben und den Realitäten in die Augen sehen. Heute besteht ein weitgehend gutes Verhältnis zu den Sportlern der TTF 68.

Keine Unruhe, Disharmonie und Streitereien im Verein aufkommen zu lassen, sah der neue Vorsitzende nach den Lehren der Vergangenheit als eine sehr wichtige Aufgabe an. Wer je in verantwortlicher Stelle eines Vereins gearbeitet hat, weiß, dass dieses Ziel bestenfalls annähernd zu erreichen ist. So ist es z. B. in jedem Verein ein bekanntes Phänomen, dass sich aus scheinbar geringem Anlass gerade engagierte Leute gekränkt zurückziehen, weil sie durch Handlungen oder Worte frustriert wurden und damit, gewollt oder ungewollt, einen erheblichen Wirbel verursachen.

Betrachtungen über das Warum würden hier zu weit führen. Jedenfalls wird von den Verantwortlichen einiges Fingerspitzengefühl gefordert und doch wird sich genannter Vorgang nicht immer vermeiden lassen. Es darf aber gesagt werden, auch wenn Gegensätze nicht unter den Teppich gekehrt wurden (oder gerade deshalb), dass nunmehr über Jahre hinweg ein Klima herrscht, das es ermöglichte, sich ungestört dem Hauptziel zu widmen: Der Stärkung des sportlichen Leistungsvermögens unseres Vereins.

Hier erfolgte keine sprunghafte, sondern eine ruhige aber stete Vorwärtsentwicklung. Es ist müßig ergründen zu wollen, wie viel Verdienst und wie viel Glück an dieser Entwicklung teilhatten. Beides ist zum Erfolg nötig. Die 1. Herrenmannschaft erreichte in der Badenliga gute Platzierungen, ohne jedoch Meister werden zu können. Alle anderen Mannschaften hatten ihre Klassen zunächst nicht halten können. Die Vorstandschaft versuchte nunmehr, den pfälzischen Spitzenspieler Volker Hällfritzsch als Trainer zu gewinnen, was auch gelang. Wiesloch wurde Vizemeister der Badenliga.

Ein Jahr später wurde unser Trainer Spieler des TTC. Mit Volker Hällfritzsch als Spielertrainer ging wahrhaft ein Ruck durch alle Mannschaften. Vor allem wurden die Meisterschaft der Badenliga und der Aufstieg in die 2. Liga Süd erreicht. Ein weiterer Glücksfall war der inzwischen erfolgte Zugang der Brüder Loss in unseren Verein. Noch konnten beide nicht in der 1. Herrenmannschaft eingesetzt werden, aber ihr zukünftiger Platz war bereits abzusehen. Sie sind heute wichtiger Rückhalt unserer Oberligamannschaft. Doch zunächst hieß es, sich in der rauhen Luft der 2. Liga Süd zu akklimatisieren. Nach 3 Anläufen wurde im Spieljahr 75/76 mit Glück und Können der Aufstieg in die Süddeutsche Oberliga geschafft. Ein Erfolg, von dem die Gründer des Vereins nie zu träumen wagten.

Auch die Damen legten in den vergangenen Jahren mit erstklassigen Leistungen wieder Zeugnis des guten Damensports in unserem Verein ab. Sie wurden 1975 und 1976 Meister der Badischen Verbandsliga und werden auch im Jubiläumsjahr mit Sicherheit wieder einen hervorragenden Platz einnehmen. Die 2. Damenmannschaft kann erfolgreich ihren Platz in der Bezirksliga behaupten.

Eine besondere Freude bedeutet es für den Chronisten, verzeichnen zu dürfen, dass die 2. Herrenmannschaft den schweren Sprung in die Landesliga schaffte, auf Anhieb nochmals aufstieg und im Jubiläumsjahr den 4. Platz der Verbandsliga belegen konnte. Sie ist damit sogar noch besser platziert als jene 1. Herrenmannschaft, die noch vor der Trennung des Vereins im Jahre 68 nominiert wurde.

Unsere 3. Herrenmannschaft konnte heuer einen Mittelplatz in der Heidelberger A-Klasse erreichen. Eine 4. Mannschaft spielt in der C-Klasse. Es starten verschiedene Mädchen- und Jungenmannschaften.

Im Jubiläumsjahr präsidiert V. Hällfritzsch den Verein. Er wurde 1976 gewählt. Ihm zur Seite steht die alte bewährte Vorstandschaft. Die vielfältigen im Räume stehenden Aufgaben - man denke nur an die finanzielle Absicherung der Oberliga-Mannschaft - wurden von ihm mit Energie angepackt. Es muss auch der große Einsatz des Spielleiters G. Hehner gewürdigt werden. Die Vorstandschaft ist sich neben den sportlichen Zielsetzungen auch darüber einig, dass offizielle wie nichtoffizielle Feste und Feiern zu pflegen sind. Für die Kameradschaft im Verein und Freundschaften über den Verein hinaus, sind sie von nicht zu unterschätzender Bedeutung.
 

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